Freitag, Mai 25

Wer das Baskenland besucht, kann zahlreiche, besondere Spezialitäten kennenlernen. Neben den für’s Baskenland typischen Pintxos ist der Cidre eine weitere, traditionsreiche Spezialität. Seine Produktion hat eine lange Geschichte im Baskenland und reicht wohl bis ins 11. Jahrhundert zurück. Als Wiege des Apfelweins gilt Astigarraga.

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Das Sagardotegi bzw. die Sidreria war früher primär ein Ort, an dem die Basken ihren heißgeliebten Cidre tranken. Da Alkohol ohne eine gute Grundlage im Magen nur halb so viel Spaß macht, gab es in den Siderias ein herzhaftes Essen dazu.

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In der heutigen Zeit sind die Siderias vor allem ein Ort für gesellige Treffen. Egal ob Touristen oder Einheimische, egal ob zu zweit oder in einer großen Gruppe – wer Freude an schönen Traditionen, herzhaftem Essen und fröhlicher Gesellschaft hat, sollte bei einem Baskenlandbesuch auf jeden Fall in einer Sidreria einkehren.

Ich bin ehrlich. Bevor ich meine Tour durch das spanische Baskenland startete, hatte ich von Sidrerias noch nie gehört. Durch einen glücklichen Zufall und eine sehr nette Mitarbeiterin meines Hotels in San Sebastian, erfahre ich davon. Ihr Tipp ist Gold wert!

Hohe Sidreria-Dichte in Astigarraga

Besonders praktisch ist, dass der Ort Astigarraga nur einen Steinwurf von San Sebastian entfernt liegt. Hier finden sich wirklich viele gute Sidrerias. Trotz der hohen Sidreria-Dichte empfehle ich Euch auf jeden Fall Plätze vorzubestellen. Das Vergnügen eines Abends in solch einem Restaurant ist nämlich tatsächlich auch heute noch eines vieler Einheimischer.

Bei meinem Besuch in Astigarraga bin ich einer von nur wenigen Touristen dort und die Sidrería Petritegi, die ich besuche, bietet insgesamt Platz für um die 420 Personen. Der Restaurantbereich ist allerdings unterteilt in mehrere Räume, die nicht immer alle zeitgleich geöffnet sind. Wir sitzen im Hauptraum, der für 180 Besucher konzipiert ist, und der ist schon ziemlich voll.

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Die Siderias sind meist in alten, großen Bauernhäusern untergebracht. Im Schnitt bekommt Ihr für 25,- bis 30,- Euro ein herzhaftes Essen und Cidre soviel Ihr mögt. Das Essen in der Sidrería Petritegi ist ein ganz klassisches, denn die meisten Siderias bieten ein recht ähnliches Menu.

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Ein Tortilla de Bacalao (Kabeljau-Omelett) gehört zum Beispiel fast immer mit dazu, ebenso wie Steaks oder Rippchen und ein Käse der Region mit Walnüssen und Membrillo, einem leckeren Quittengelee. Vier Gänge oder mehr sind keine Seltenheit. Auf den Bildern seht Ihr ja, wie rustikal das Ganze ist.

All das bietet natürlich eine gute Grundlage für den erfrischenden Cidre. Wer jetzt denkt, man bekommt den Cidre ganz entspannt zum Essen serviert, der liegt falsch. Das Highlight in den baskischen Sidrerias ist definitiv, dass Ihr Euch den Cidre erarbeiten müsst.

„Txotx“

Ich staune nicht schlecht, als nach dem ersten Gang jemand aus der hinteren Ecke des Raumes plötzlich „Txotx“, baskisch für „Prost“, schreit. Als ich noch deutlich irritiert schaue, springen bereits alle anderen um mich herum auf, schnappen sich ihre leeren Gläser und eilen zu dem Rufenden.

Entsprechend des menschlichen Herdentriebes schließe ich mich einfach an. Dann öffnen sich die Türen zum Heiligsten der Sidreria. Haushohe Cidrefässer in langen Reihe – ein toller Anblick.

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An einigen stehen Mitarbeiter der Sidreria und schenken fassfrischen Cidre an uns aus. Wobei ausschenken nicht so richtig den Kern trifft. Genau genommen stellt man sich mit seinem Glas in einigen Metern Abstand zum Fass und dem kleinen Hahn der sich daran befindet auf.

Wenn der Mensch am Fass dann den Hahn aufdreht, schießt der Cidre in hohem Bogen als dünner Strahl heraus. Meine Aufgabe ist jetzt, den Cidre mit meinem Glas am Ende des Bogens, möglichst bodennah, elegant zu fangen um dann nahtlos an den nächsten Cidrefreund in der Reihe zu übergeben. Das ganze Prozedere ist übrigens nicht nur extrem gesellig, sondern dient auch der Belüftung der Fässer.

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Es macht einen Riesenspaß! Schon bei der zweiten Runde bin ich recht geübt und es ist toll, sich sein Getränk auf diese Weise zu holen. Vor allem die Atmosphäre zwischen den alten, riesigen Fässern und das Gefühl der Gemeinschaft, auch wenn ich die Sprache nicht verstehe, macht diesen Abend in der Sidreria zu einem unvergesslichen Erlebnis!

Ein kleiner Hinweis noch zum Schluss: Viele der Sidrerias in Astigarraga haben nur zur Cidresaison geöffnet (meist von Januar bis April) – einige aber auch das ganze Jahr. Macht Euch also vorher schlau. Na dann: „Txotx!“

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