Sonntag, August 12

Auf meiner Niederschlesien Rundreise habe ich auch einen Kurzaufenthalt im ehemaligen Kurbad Altheide-Bad (Polanica-Zdrój) gemacht. Vor der Reise nach Polen habe ich mir hier einige spannende Reiseziele ausgesucht. Unter anderem die Schädelkapelle in Czermna im Glatzer Land.

Sie liegt im 30 Minuten entfernten Ort Czermna und ist die einzige Schädelkapelle in Polen. Als ich in dem kleinen Ort abgekommen bin, heißt es aber erstmal warten. Denn hier kommen die Touristen busweise. Zudem dürfen immer nur ca. 20-30 Personen in die Kapelle. Parkplätze gibt es gegen eine kleine Gebühr übrigens in unmittelbarer Nähe.

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In der Wartezeit schaue ich mich schon mal außen ein wenig um. Die Barockkapelle ist eigentlich nur ein kleiner Anbau neben der Kirche. Dennoch zieht sie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Von außen ist eigentlich nichts Spektakuläres zu sehen.

Ah, endlich ist es soweit. Nach glücklicherweise nur 30 Minuten Wartezeit, schlupse ich als einer der letzten Besucher mit rein. Dann wird den hauptsächlich polnischen Besuchern auf Polnisch einiges zur Geschichte der Schädelkapelle in Czermna erzählt.

Gegen ein kleines Trinkgeld sollen die Nonnen aber auch auf Deutsch eine Erklärung geben. Ich habe mich vorher schon etwas schlau gemacht, so dass ich mich voll und ganz auf das Betrachten des skurrilen Interieurs dieser Kirche konzentrieren kann.

An den Wänden stapeln sich gebleichte Schädel und Knochen. Wenn ich bedenke, dass das alles mal lebendige Menschen waren, dann erschaudere ich ja schon ein wenig.

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Wie viele mögen es insgesamt sein? Aus mehreren hundert Schädelhöhlen schauen mich Augenpaare an. Ganz ordentlich sind diese und die übrigen Knochen übereinander gestapelt. Wer hat sich so etwas bloß ausgedacht und zu welchem Zweck?

Eine kleine Geschichte der Schädelkapelle in Czermna

Den Aufzeichnungen nach sind Ende des 18. Jahrhunderts der Ortspfarrer Tomaschek und der Totengräber Langner oder Langmann auf die Idee gekommen, die Knochen und Schädel von Opfern der Pest und der Cholera aus dem 17. Jahrhundert sowie von Gefallenen aus dem Dreißigjährigen Krieg und dem  Siebenjährigen Krieg in dieser Kapelle aufzustapeln.

In der Kapelle liegen etwa 3.000 Knochenteile. In der Krypta der benachbarten Kirche liegen weitere 20.000 bis 30.000 weitere. Der Totenschädel des Pfarrers liegt übrigens seit 1804 ebenfalls in der Kapelle – auf dem Altar. Neben diesem liegen noch vier weitere. Angeblich ebenfalls der des Totengräbers. Zudem der eines Riesen, eines tatarischen Kriegers und eines Menschen, der an Syphilis starb.

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Die Idee kam dem Pfarrer auf einer Pilgerreise in Rom. Inspiriert wurde er dort durch die Krypta der Kirche Santa Maria Immacolata a Via Veneto. In ihr sind hunderte Knochenteile zu biblischen Bildern verarbeitet worden sind.

Selbst der Kronleuchter ist dort aus Knochen gefertigt. War da nicht mal was mit Totenruhe und so?! Naja, vielleicht schaue ich mir diese Krypta bei einem Rom Besuch auch mal an.

Nach 20 Minuten sind die Erklärungen in der Schädelkapelle in Czermna vorbei. Ich kann mir nun noch etwas detaillierter das Innenleben der Schädelkapelle in Czermna anschauen und dann tauschen wir mit der nächsten Gruppe, die schon ungeduldig draußen wartet.

Nach dem Betrachten dieser vielen menschlichen Überreste, die in der Schädelkapelle in Czermna aufgeschichtet sind, komme ich doch mit einem mulmigen Gefühl wieder heraus. Es ist schon ein makabrer Ort. Und gerade aus diesem Grund ist es wahrscheinlich auch ein kleiner Touristenmagnet und eine Top Sehenswürdigkeit im Glatzer Land in Niederschlesien.

Öffnungszeiten der Schädelkapelle in Czermna

  • Täglich außer Montag
  • Im Sommer: Mai – Ende September 9:30 – 13:00, 14:00 – 17:00
  • Ansonsten: 10:00 – 16:00

Weitere Schädelkapellen in Europa

Für diese Art der Kirchenbauten gibt es verschiedene Begriffe. Je nach Art, Motivation oder Umfang des jeweiligen Kirchenbaus nennt man sie Schädelkapelle, Knochenkapelle, Beinhaus, Knochenkirche oder Ossuarium. Weitere Kirchengebäude dieser Art findet Du hier:

  • Knochenkirche von Kutna Hora ca. 70km von Prag entfernt (Tschechien)
  • Knochenkapelle in Evora – Capela dos Ossos (Portugal)
  • Knochenkapelle Capela dos Ossos im Klostergarten der Barockkarmeliterkirche Nossa Senhora do Carmoim in Faro (Portugal)
  • Beinhaus unter der Friedhofskapelle der Oppenheimer Katharinenkirche (Deutschland)
  • Beinhaus in der Michaels Kapelle neben der Katholischen Pfarrkirche in Hallstatt (Österreich)
  • Krypta der Kirche Santa Maria Immacolata a Via Veneto in Rom (Italien)

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