Montag, Juni 11

Auf meiner Niederschlesien Rundreise habe ich direkt am Schloss Fürstenstein meinen ersten Aufenthalt geplant. Ich wollte unbedingt dieses schöne Schloss sehen, wenn es in der Dunkelheit angestrahlt auf dem Fürstenberg thront. Es hat sich gelohnt.

Als ich in Waldenburg (Wałbrzych) im im Stadtteil Fürstenstein (Książ) ankomme, ist schon später Nachmittag. Daher schlendere ich bei schönem Wetter schon mal durch die Außenanlage des Schlosses. Meine Besichtigung habe ich für den kommenden Tag geplant.

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Schloss Fürstenstein – eine lebhafte Geschichte

So wie das Schloss dort oben auf dem Berg steht, sieht es aus wie ein Gemälde. An einer Flussbiegung der Polsnitz (Pełcznica) erhebt sich der Fürstenberg. Nur aus östlicher Richtung ist das Schloss erreichbar. In den anderen Himmelsrichtungen geht es steil hinunter.

Bis ins 13. Jahrhundert geht die Geschichte von Schloss Fürstenstein zurück. Die bewegte Vergangenheit hat einen ihrer letzten Höhepunkte – oder besser Tiefpunkt – zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Hier sollte eines der Führerhauptquartiere entstehen.

Daher wurden auch im Untergrund des Schlosses Tunnel ausgehoben, die die gesamte Anlage mit dem „Komplexes Riese“ verbinden sollte. Aus diesem Grund ranken sich noch heute Mythen um das Schloss und Goldzüge, die hier versteckt sein sollen.

Symbiose aus verschiedenen Bauepochen

Auch baugeschichtlich hat die Burg einiges hinter sich. Beim ersten näheren Betrachten fällt auch mir auf, dass hier mehrere Baustile in einem Gebäude verbunden sind. So sieht man noch die Grundzüge der Burganlage aus dem 14. Jahrhundert.

Später kamen schließlich Renaissance- und Barockelemente hinzu. Die Burg bekam dadurch in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Elemente, die sie von einer wehrhaften Burg hin zu einem repräsentativen Schloss verwandelten.

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Besichtigung des Schlosses

Ich habe es ja auf Grund meiner benachbarten Herberge nicht weit zum Schloss. Parkplätze stehen hier im Übrigen aber auch ausreichend zur Verfügung.

Nach wenigen Schritten gehe ich erneut durch das Tor der früheren Vorburg und sehe das Schloss. Majestätisch steht es vor mir. Das gute Wetter und die Sonne lassen es dann gleich noch etwas mehr erstrahlen.

Insbesondere der Vorplatz mit den Statuen und dem gepflegten Gartenstück strahlen den Glanz vergangener Zeit aus.

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Weitreichende Umbauten im Schloss

Leider gab es nicht nur außerhalb und im Untergrund des Schlosses weitgehende Umbaumaßnahmen im Zweiten Weltkrieg. Auch im Inneren sollte das Schloss zu einem militärischen Hauptquartier werden. Daher wurden viele Räume in ihrer ursprünglichen Form zerstört, um funktionale Räume zu erhalten.

Auch vom Mobiliar hat nur wenig den Weltkrieg überstanden. Entweder wurde es geraubt oder zerstört. Und dann haben auch die sowjetischen Besatzer noch einmal zugeschlagen.

Zudem standen in der Zeit des Kalten Krieges kaum finanzielle Möglichkeiten zur Verfügung, um die alte Pracht im Inneren wiederherzustellen.

Seit den 90er Jahren wird nun nach und nach das Schloss renoviert. Daher gibt es beim Erkunden des Inneren des Schlosses mittlerweile auch wieder etwas zu entdecken. Einige Highlights möchte ich Euch hier mal vorstellen.

Der Schwarze Hof

Im Schwarzen Hof sind auch verschiedene Baustile zu erkennen. Besonders spannend ist die Neo-Renaissance Steinwand aus rotem Sandstein.

Sockel, Wappen und Bögen mit Reliefs stehen im Gegensatz zur mittelalterlichen Steinmauer und dem Brunnen. Vom Schwarzen Hof ist auch der Schlossturm zu sehen.

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Jagddiele

Die Jagddiele befindet sich am Schwarzen Hof. Hier haben die ehemaligen Schlossbesitzer, die Hochbergs, ihre Jagdtrophäen ausgestellt.

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Rittersaal

Zu den Hochbergschen Zeiten beherbergte der Rittersaal eine reiche Sammlung an historischen Waffen. In diesem Saal sind noch alte Deckenbemalungen und Wandverkleidungen aus Holz zu bestaunen.

Grüner Salon

Der Grüne Salon ist einer der zahlreichen Räume im barocken Teil von Schloss Fürstenstein. An den Wänden waren Malereien der Vorfahren, welche dem Raum eine große Bedeutung gaben. Leider sind diese nicht mehr vorhanden. Dennoch wird auch heute die barocke Pracht deutlich.

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Maximilians Halle

Das Highlight im Inneren von Schloss Fürstenstein ist die Maximilians Halle. Hier ist die Pracht aus vergangener Zeit noch zu spüren. Die Halle befindet sich direkt über dem Eingang und man hat einen tollen Blick auf die vorderen Außenanlagen des Schlosses.

Aber weit beeindruckender ist die Halle selbst. Marmor, Goldverzierungen, Kronleuchter. Überall ist der Prunk zu sehen, der in den Räumen von Schloss Fürstenstein einmal geherrscht haben muss.

 

Ich habe keine Führung wahrnehmen können. Diese sollte man aber machen. Auch wenn sie in polnischer Sprache ist, kommst Du durch die Führung in den Genuss, alle Räume zu betrachten. Die Beschreibung in deutscher Sprache hilft aber weiter.

Nach der Schlossbesichtigung gehe ich in den angrenzenden Gartenanlagen spazieren.

Die Außenanlagen von Schloss Fürstenstein

Nach Deinem Besuch des Schlosses solltest Du Dir unbedingt die Zeit nehmen und einen kleinen Spaziergang durch die Außenanlagen machen. Dadurch, dass das Schloss auf einem Bergkamm liegt, sind die Gärten terrassenförmig angelegt.

Auf der Kastanienterrasse befindet sich ein Restaurant, welches auch Sitzplätze im Inneren des Schlosses hat. Hier kannst Du in kleinen Tunneln eine kleine Stärkung zu Dir nehmen.

Von den Außenanlagen gelangt man auch in einen der Tunnel aus den 40er Jahren. Er ist Teil des Projekts „Riese“. Allerdings musst Du eine Führung buchen, wenn Du in den Tunnel möchtest.

Das Palmenhaus von Schloss Fürstenstein

Circa drei Kilometer vom Schloss entfernt befindet sich das Palmenhaus von Schloss Fürstenstein (Palmiarnia). Am kommenden Tag habe ich mich auf den Weg dorthin gemacht.

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Das Palmenhaus entsteht im beginnenden 20. Jahrhundert und ist daher im schönen Jugendstil gestaltet. Auf insgesamt 1.900 m2 sind hier zahlreiche exotische und einheimische Pflanzen zu bestaunen.

Leider hinterließen auch im Palmenhaus der Zweite Weltkrieg und die Vernachlässigung in der kommunistischen Ära ihre Spuren.

Der Charme und die Schönheit aus der Blütezeit ist nur noch schwach zu erkennen. Nach und nach wird hier aber wieder die Vielfalt der Pflanzen hergerichtet.

Schon jetzt kannst Du hier eine gute Stunde damit verbringen, durch die Gewächshäuser zu wandeln, den Schildkröten in der künstlich angelegten Grotte zuzuschauen oder die umfangreiche Bonsai-Sammlung zu erkunden.

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Fazit meines Besuchs auf Schloss Fürstenstein

Das Schloss Fürstenstein in Niederschlesien ist eine wirkliche Schloss-Perle. Der Glanz der vergangenen Zeiten lässt sich derzeit aber nur durch angelesenes Hintergrundwissen erahnen. Zu groß waren Zerstörung, Raub und Vernachlässigung in den Jahren 1933-90.

Langsam erwacht das Schloss aus diesem Winterschlaf. Altes Mobiliar wird wieder ins Schlossinnere gestellt. Räumlichkeiten und Außenanlagen werden Stück für Stück renoviert. Für mich ist Schloss Fürstenstein daher ein lohnenswertes Ausflugsziel in Niederschlesien.

Ein magischer Ort – insbesondere am Abend – mit einer spannenden Geschichte. Das Schloss hat sicherlich viele Geschichten zu erzählen.

Reisetipp: Eine Übernachtung in einer der Herbergen direkt am Schloss Fürstenstein lohnt sich auf jeden Fall. So kannst Du Dir das angeleuchtete Schloss in den Abendstunden anschauen – wie es dort mystisch auf dem Bergrücken thront.

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