Freitag, Oktober 20

Jedes Jahr trifft sich das UNESCO-Welterbekomitee, um neue Stätten in die Liste des Welterbes aufzunehmen. UNESCO-Weltkulturerbestätten müssen ein Ort oder eine Struktur mit großer kultureller oder historischer Bedeutung sein oder eine natürliche Bedeutung besitzen.

Das Komitee hat in diesem Jahr weltweit 21 neue Stätten in die Liste aufgenommen – sechs davon liegen in Europa. Diese sind damit automatisch auf meine Reiseliste gekommen und ich habe schon mal etwas recherchiert. Die neuen UNESCO Welterbestätten in Europa 2016 möchte ich Euch kurz vorstellen.

Liste der neuen UNESCO Welterbestätten in Europa 2016

  1. Das architektonische Werk Le Corbusiers in Belgien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz
  2. Stećci – mittelalterliche Grabsteine in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Serbien
  3. Archäologische Stätte von Ani in der Türkei
  4. Antike Stätte Philippi in Griechenland
  5. Dolmenstätte von Antequera in Spanien
  6. Gorham Höhle in Gibraltar (Vereinigtes Königreich)

1 | Das architektonische Werk Le Corbusiers in Belgien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz

Hierbei handelt es sich um ein grenzüberschreitendes UNESCO Welterbe. Da sich die ausgezeichneten Werke des Schweizer Architekten Le Corbusiers (eigentlich Charles-Édouard Jeanneret-Gris) in Belgien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz sowie in Argentinien, Japan und Indien befinden.

Weißenhofsiedlung in Stuttgart

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Gebäude in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart. (Quelle: ©Weissenhofmuseum/Brigida Gonzalez)

Insgesamt umfasst das Welterbe 17 Gebäude. In Deutschland sind es zwei Häuser der Weißenhofsiedlung in Stuttgart. Die kubischen Wohnhäuser entstanden im Jahr 1927. Im „Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier“ lässt sich nachvollziehen, wie die Architekten des Neuen Bauens damals das Wohnen nachhaltig veränderten.

Maison Guiette in Belgien

Das Maison Guiette, auch bekannt als Les Peupliers, liegt in Antwerpen. Es ist eines der weniger bekannten Gebäude im “International Style” von Le Corbusier. Wie der Name schon sagt, ist das Gebäude für den Maler René Guiette 1927 gebaut worden. Das Haus kann leider nur von außen angeschaut werden. Besichtigungen finden nicht statt.

Zehn Gebäude in Frankreich

In Frankreich zählen gleich zehn Gebäude von Le Corbusier zum neuen UNESCO Welterbe. Das bekannteste Gebäude dürfte die 1950 erbaute Wallfahrtskirche Chapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp sein.

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Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp. (Quelle: © CRT Franche Comté)

Daneben zählen auch die Maisons La Roche et Jeanneret und das Immeuble locatif à la Porte Molitor in Paris, die Cité Frugès in Pessac, die Villa Savoy et loge du jardinier in Poissy, das Unité d’habitation in Marseille, die Manufacture à Saint-Dié in Saint-Dié-des-Voges, die Cabanon de Le Corbusier in Roquebrune-Cap-Martin, das Couvent Sainte-Marie-de-la-Tourettein in Eveux sowie Maison de la Culture (das Kulturhaus) in Firminy zu den neuen UNESCO Welterbestätten in Europa 2016.

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„La Maison de la Culture“ – Le Corbusier in Firminy. (Quelle: Arnaud Frich©F.L.C/ADAGP (2016))

Villa Le Lac und Maison Clarté in der Schweiz

Auch in der Schweiz war Le Corbusier aktiv. Dort zählen die beiden Bauwerke Petite villa au bord du lac Léman in Corseaux und Immeuble Clarté in Genf zum UNESCO Welterbe.

Immeuble Clarté. (Quelle: Evelyne Perroud, ©FLC/ADAGP, 2016)

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Petite villa au bord du lac Léman. (Quelle: Olivier Martin-Gambier, ©FLC/ADAGP, 2016)

2 | Stećci – mittelalterliche Grabsteine in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Serbien

Dieses UNESCO Welterbe erstreckt sich über mehrere Länder auf dem Balkan. Stécci, Mehrzahl von Stecak, sind mittelalterliche Grabsteine, die sich hauptsächlich in Bosnien-Herzegowina befinden.

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Stecci Radimlja in der Nähe von Stolac. (Quelle: ©Tourism Association of the Federation of Bosnia and Herzegovina)

Zudem gibt es zahlreiche Grabsteine dieser Art in Kroatien, Montenegro und Serbien. Die Steintruhen oder -platten sind mit Sprüchen und Verzierungen versehen und geben dadurch Einblick in das Leben des 13. bis 15. Jahrhunderts.

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Stécci in Montenegro. (Quelle: ©NTO Montenegro)

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Steintruhengrab in Montenegro. (Quelle: ©NTO Montenegro)

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Stecci in Serbien. (Quelle: ©Nationale Tourismus Organisation Serbiens (NTOS))

3 | Archäologische Stätte von Ani in der Türkei

Mit der Auszeichnung der archäologischen Stätte von Ani durch die UNESCO befinden sich in der Türkei mittlerweile 16 Welterbestätten. Im Mittelalter war Ani die Hauptstadt des damaligen armenischen Königreichs. Sie befindet sich in der Region Kars im türkisch-armenischen Grenzgebiet und liegt heute in Ruinen.

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Die Kirche – Kloster der Jungfrauen. (Quelle: ©Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkei)

Der Niedergang begann mit einem Erdbeben 1319. Seitdem hat sich die Bevölkerung stetig reduziert. Mittlerweile ist dieser Ort seit über 300 Jahren verlassen.

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Stadtmauern der alten armenischen Hauptstadt von Ani. (Quelle: ©Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkei)

Ausgezeichnet wurde die Stätte, weil Ani sowohl westliche als auch östliche Traditionen vereint. Durch die Lage an der nördlichen Seidenstraße hatte Ani seine Blütezeit im 10. bis 14. Jahrhundert und wurde auch “Stadt der 1001 Kirchen” genannt.

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Die zerstörte Erlöserkirche in Ani. (Quelle: ©Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkei)

Die archäologische Stätte Ani fördert laut UNESCO Komitee das “Verständnis von Handel und Siedlung in einer multiethnischen und multikulturellen Umgebung des Mittelalters”.

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Kathedrale von Ani. (Quelle: ©Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkei)

Die bedeutendsten Bauten sind die armenische Kreuzkuppelkirche, die Kirche Sankt Gregor des Königs Gagik, die Erlöserkirche, die Apostelkirche, die Menüçehr-Moschee sowie die Kirche Sankt Gregor von Tigran Honents.

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Die Ruinen von Manucehr-Moschee. (Quelle: ©Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkei)

4 | Archäologische Stätte Philippi in Griechenland

Die antiken Überreste der Stadt Philippi liegen in der Nähe des heutigen Kavala in der Provinz Ostmakedonien und Thrakien in Griechenland. Die Stadt ist 355 v. Chr. vom makedonischen König Philipp II. gegründet worden. Ihre Blütezeit hatte sie im Römischen Reich.

Hellenistische Gebäude wurden daher durch zahlreiche römische ergänzt. Dies ist auch ein Grund des UNESCO Komitees für die Auszeichnung als Weltkulturerbe: “Ein außergewöhnliches Zeugnis der Eingliederung von fremden Regionen ins Römische Reich”.

Durch den Besuch des Apostel Paulus erlangte Philippi zentrale Bedeutung für den christlichen Glauben. Er gründete 49/50 n. Chr. hier die erste christliche Gemeinde in Europa. Die Bedeutung bezeugt die große Anzahl christlicher Kirchen im damaligen Philippi.

Herausragende Überreste sind:

  • der gut erhaltene Mauerring,
  • eine Akropolis,
  • das große Forum mit einigen Häusern,
  • ein Gymnasion,
  • eine Markthalle und
  • das Theater, in dem auch heute noch antike Stücke aufgeführt werden.

5 | Dolmenstätte von Antequera in Spanien

Die Dolmenstätte von Antequera in der Provinz Malaga umfasst insgesamt drei Hügelgräber. Neben dem bedeutendsten Megalithbau Europas, dem Dolmen de Menga, zählen dazu auch der Dolmen de Viera und die Grabkammer Tholos de El Romeral.

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Antequera Dolmen de Menga. (Quelle: (c) Turespaña)

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Paraje Natural El Torcal de Antequera. (Quelle: (c) Turespaña)

Zu diesem UNESCO Welterbe in Spanien gehören auch zwei Naturschutzgebiete: der Berg Peña de los Enamorados und das Massiv El Torcal in der Umgebung von Antequera. Die Dolmen de Menga und de Viera stammen aus der Jungsteinzeit um 4.000 bis 4.500 v.Chr. Der Tholos von El Romeral stammt hingegen aus der Bronzezeit um 2.500 v. Chr.

6 | Gorham Höhlenkomplex in Gibraltar (Vereinigtes Königreich)

Das Welterbe der Gorham Höhle stammt aus der Frühzeit der Menschheit. Die vier Höhlen befindet sich am östlichen Teil des Felsens. In ihnen befinden sich Felsgravuren an den Höhlenwänden, die aus der Zeit der Neandertaler stammen.

Vor 39.000 Jahren sah die Landschaft hier noch anders aus. Die Eingänge der Höhlen liegen mittlerweile knapp über dem Meeresspiegel. Zur Zeit als unsere Vorfahren hier lebten, gab es noch einen bewaldeten Küstenstreifen vor den Höhlen.

Das UNESCO Welterbekomitee sieht in dem Gorham Höhlenkomplex ein außergewöhnliches Zeugnis über die Tätigkeit und die kulturellen Traditionen der Neandertaler.

Das war meine kurze Vorstellung der UNESCO Welterbestätten in Europa 2016. Selbst habe ich sie bisher noch nicht bereist. Sobald ich dort war, liest Du in meinen UNESCO Welterbe Checks mehr darüber.

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5 Kommentare

  1. Hi Nicolo,
    Ani ist wunderschön! Das war auf jeden Fall eines der Highlights (von denen es einige gab) während meiner Reise durch Ostanatolien. Ich war im Juni da und die Wiesen rund um die Ruinen haben gerade geblüht. Ein unheimlich schönes Plätzchen!
    Liebe Grüße,
    Marion

    • Der April – Juni ist auch die beste Zeit fürs Sightseeing / Herumreisen in der Türkei. Das Wetter ist gut und das Land ist im Vergleich zum Sommer nicht so voll.

      Das war vermutlich Klatschmohn in den Ruinen von Ani? Ich finde die rote Farbe der Blumen großartig. Sie passt wunderbar zu den alten Ruinen und zur Landschaft.

  2. Häuser von Le Corbusier stehen bei uns um die Ecke an der Heerstraße in Berlin. Sind die auch auf der Liste? Dann lohnt sich ein Spaziergang an den Wohnriesen vorbei. Sonst sind die eher hässlich und eigentlich nicht mein Fall. Die Wohnungen sind aber nicht günstig und sollen recht groß sein.

    Lieben Gruß, Susanne

  3. Hi, sehr spannender Artikel, hatte von keiner der Stätten bisher was gehört und freue mich schon jetzt auf deine Reiseberichte wenn du sie alle besuchst 🙂
    Beste Grüße
    Simone

  4. Hallo Nicolo,
    danke für die schöne Zusammenstellung. Ich habe auch wenig davon gesehen, außer natürlich ein paar Werke von Le Corbusier, einem meiner Lieblings-Architekten. Ani in der Türkei sagte mir gar nichts; das erinnerte mich aber an Georgien, da sieht es genauso aus. Armenien ist da nicht weit, das erkennt man. Bin gespannt, was Du als nächstes besuchst!
    Liebe Grüße
    Barbara

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